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Hinnerk Weiler

Koje frei bis Feuerland – segeln um die halbe Welt

Route 2011

Freitag, 11 März 2011 | Amerika, Kanada, Reisevorbereitungen, Törnblog, USA

Stürmische Tage in der Karibik verleiten dazu, den Blick nach vorn zu richten. Auf das kommende Abenteuer in den USA zum Beispiel. Oft wurde ich in der letzten Zeit gefragt: „Wie planst Du das nächste Jahr?“ Hier eine Übersicht:

Grobe Route entlang der Flüsse und Seen durch die USA

Grobe Route entlang der Flüsse und Seen durch die USA

Im Moment stehen die Zeichen in Nassau auf Abmarsch. Das Wetter wird wärmer, die Fronten weniger heftig und sie ziehen innerhalb eines Tages durch. Noch einige Reparaturen, etwas Bunkern und die Bedingungen für einen langen Schlag zurück in die USA sind gut.
Bin ich im vergangenen Herbst schnell nach Süden gesegelt, so will ich genau das auch nach Norden. Meine Philosophie den „Hinsegelns“ bleibt: Lieber halte ich mich eine Weile an einer Stelle auf, als in ein Bummeln mit täglichem „Anker auf“ zu verfallen. Der Preis, den man als „Hinsegler“ zahlt, ist allerdings, dass man weitere Wege zurücklegen muss und weniger Orte besucht. Dafür hat man an diesen Plätzen aber mehr Zeit, sie zu erleben.
April

Erstes Ziel in den USA wird je nach Wind und Wetter Anfang des Monats Beaufort in North Carolina sein. Es ist keine schlechte Idee, nach etwa fünf Tagen auf See einen Hafen zu wählen, den man bereits kennt. Nach kurzer Pause dort geht weiter: idealerweise außen herum, in einem Rutsch bis in die Chesapeake Bay. Das würde mir den „Intra Coastal Waterway“ ersparen, den ich schon auf dem Weg nach Süden nicht so recht mochte. Wenn mich das Wetter allerdings ärgert, wird das Kanalsystem mich sicher nach Norfolk bringen.
Nächstes Ziel Mitte des Monats ist die US Hauptstadt Washington DC und für die anschließenden Wochen der Frühling in der Chesapeake Bay. Die Idee: In einem Rutsch rauf und langsam durch verschiedene Buchten runter.

Mai

Die Bucht verlasse ich mit einem weiteren Drei-Tage-Schlag an der Atlantikküste. In der ersten Maiwoche umrunde ich Sandy Hook. Festmachen am Big Apple zum Dritten wird ein kurzer Aufenthalt. Die Zeit ist knapp und die Bordkasse leidet noch immer unter den letzten beiden Besuchen in Manhattan.
Der Hudson dürfte um diese Jahreszeit kein Problem mehr sein. Einige Wochen früher hätten bis zu sechs Knoten Ebbstrom den Weg flussauf erschwert. Doch im Mai sollte die Schneeschmelze in den Bergen vorbei sein und das Wasser die normalen drei Knoten Strom haben. Zum Mastlegen werde ich vermutlich bereits in Catskill stoppen und das Boot für neues Antifouling an Land stellen lassen. Dreizehn Monate und über 7.000 Meilen sind vergangen, seit Paulinchen in Cuxhaven an den letzten Anstrich erhielt.

Juni

Nach der Werftzeit wird Paulinchen als Motorboot den Rest Hudson und den Erie-Kanal bereisen. Allerdings anders, als im letzten Jahr werde ich den Kanal nur zur Hälfte nach Buffalo fahren und nach Oswego im Norden abbiegen. Über den Lake Ontario werde ich mit liegendem Mast unter Motor fahren. Denn zum Maststellen lohnen die kurzen Etappen auf diesem See nicht. Der Abstecher auf den See bringt zwar einen Umweg, aber später führt er in ein traumhaftes Revier. Vor allem aber gelange ich so nach Trenton, wo ich das Boot für einen Deutschlandbesuch unterbringen muss.

Juli

Mein nächster Flug nach Europa startet entweder in Toronto oder Montreal. Mitte des Monats bin ich einige Tage in Hamburg und zum Ende noch kurz in Dänemark. Ich hoffe bei dieser Gelegenheit den einen oder anderen Vortrag über die bisherige Reise zu halten, bevor ich wieder in Richtung Kanada abfliege.

August

Traumrevier Südkanada! Durch den Trent Severn Kanal geht es in etwa anderthalb Wochen weiter zur Georgian Bay im Lake Huron. Hier wird der Mast gestellt und vor dem Bug liegt eines der aufregendsten Etappen des Great Lakes Trips. Schon in Nova Scotia haben mich andere Skipper mehrfach vor diesem See gewarnt: „Pass auf, dass Du in der Georgian Bay beim Segeln nicht einen schwimmenden Grizzly überfährst!“ Paulinchen mitten in kanadischer Wildnis.
Mit der Erfahrung des Erie-Kanals im letzten Sommer ist auf den Kanalstrecken eine zweite Hand übrigens immer gern gesehen. Vielleicht hat ja der eine oder andere Lust auf einen (Motorboot-)Trip durch New York State. Der Trent Severn bietet nebenbei die vermutlich weltweit einmalige Möglichkeit, mit einem Boot Eisenbahn zu fahren! Google sollte dazu was finden: „trent severn Lock 44 Big Chute Kanada“.
Die Georgian Bay und der Lake Huron markieren das vorläufige Ende meiner Reise von Hamburg nach Westen. Es geht um die Ecke, in den Lake Michigan. Hier beginnt für die nächsten anderthalb Jahre eine neue Parole: „Von Kanada mit Kurs Süd nach Feuerland!“

September

Wieder in den USA endet der Ausflug auf den großen Seen in den ersten Wochen des Septembers in Chicago. Der Mast muss erneut gelegt werden. Was vor mir liegt, ist ein weiterer Motorboot-Trip. Diesmal über zweitausend Kilometer quer durch den Mittleren Westen. Während ich entlang der Ostküste dem Sommer hinterher nach Norden fuhr, folge ich ihm ab Chicago in die andere Richtung. Denn der Herbst folgt und ebnet mit den ersten kühlen Nächte auf den Flüssen bereits den Weg für den Winter.
Die Reise startet auf dem Illinois River, durch die großen Industrieanlagen vor Chicago. Aber noch vor dem Abbiegen auf den Mississippi soll es ländlicher werden.
Mark Twains „Life on the Mississippi“ berichtete nicht von bis zu sechs Knoten Strom im Fluss. Das tun andere Skipper, die den Fluss bereist haben. Tempo, das Meilen schafft, aber auch Probleme. Mit maximal sechseinhalb Knoten Fahrt ist gegen an im Notfall kaum denkbar. Doch nach 200 Meilen ist eh Schluss.

Oktober

Ein Netz von Kanälen schafft Wasserstraßen parallel zu dem reißenden Fluss und führt mich unter anderem über den Tennessee in die Südstaaten. Sofern ich nicht die Abzweigung Richtung Ohio River verpasse, fließen alle weiteren Flüsse mit etwa einem Knoten. Zum Teil dafür aber in die entgegengesetzte Richtung.

November

Mobile, Alabama. Das letzte Ziel in den USA einer der geschäftigsten Industriehäfen des Landes. In der ersten Hälfte des November will ich hier ankommen.Der Mast wird gestellt, das Boot überholt vor dem Bug licht bald drauf offenes Wasser. Neuer Kurs Südosten, Kurs Karibik, Kurs Kuba!

Dezember

Palmen, und vor allem Spanisch spielen im Winter die Hauptrollen. Das Abenteuer USA wird vorbei sein. Ein Jahr länger als geplant hat es gedauert. Fast zwei Jahre habe ich Land und Leute kennengelernt. Viele Erlebnisse, die noch aufzuschreiben sind. Natürlich auch, um den einen oder anderen Vortrag für meinen Winterabstecher im Januar nach Hamburg und zur boot in Düsseldorf vorzubereiten.

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