Ausrüstung
Wer eine lange Reise plant, steht zuerst vor einer endlos erscheinenden Liste mit Dingen die nötig erscheinen. Doch das Budget ist gerade in dieser Phase reichlich knapp bemessen. Umso wichtiger ist es, bei der Auswahl der Ausrüstung sehr sorgfältig vorzugehen. Für Paulinchens Ausstattung galt daher strenge Vorgaben:
- Möglichst große Unabhängigkeit ermöglichen, obwohl das Boot nicht viel Platz für große Tanks, Batterien und Vorräte hat.
- Preiswert – nicht billig. Gute Verarbeitung, durchdachte Lösungen und natürlich auch ein Weltweit funktionierender “After-Sale-Service” sind wichtig.
- Kompakte und leichte Bauform – Paulinchens schlanke Form ist hübsch und ansprechend. Für ein Langfahrtschiff aber leider vollkommen unpraktisch.
Segel
Wind gibt es glücklicherweise überall und wenn man genügend Zeit mitbringt, kommt man auch heute noch mit einem aufgespannten Badelaken auf einem Holzfloß um die Welt. Eine für Langfahrt optimierte Segelgarderobe umfasst allerdings etwas mehr: Die normle Besegelung aus Groß und Genua stammt von CO-Segel aus Arnis. wird es Knackig, ermöglicht eine Stagreiter-Fock am zweiten Vorstag sicheres “Reffen”. Diese Kombination hat sich bei Fast-Flaute auf der Ostsee genauso bewährt, wie in 40 Knoten auf dem Atlantik. Einzig eine dritte Reffreihe ließ ich vor dem Start Richtung Atlantik noch im Groß hinzufügen. Oft geliebt, manchmal unsagbar gehasst, letztlich habe ich mich mit meiner Rollanlage für das Vorsegel aber geeinigt: Auf einem schmalen Vorschiff wie dem von Paulinchen eine Genua I zum Segelwechsel so zusammenzulegen, dass sie hinterher nicht die komplette Kajüte ausfüllt, ist kein Vergnügen. Sie bleibt daher angeschlagen. Nimmt der Wind zu, wird sie einfach weg gerollt und statt eines Segelwechsels kommt ein zweites Vorstag aus Dyneema zum Einsatz. Kleinere Vorsegel werden daran ganz konventionell mit Stagreitern angeschlagen. Ein Prinzip, dass sich als Standard-Besegelung bereits hundertfach bewährt hat.
Downwind geht es mit dem Parasailor von ISTEC. 67 Quadratmeter Segelfläche ziehen dann Paulinchen über das Wasser. Auf meinem bisherigen Kurs bin ich nur selten in den Genuss gekommen, ihn zu setzen. Zuletzt auf einem achtstündigen Downwindschlag in den Bahamas. Das fazit: Hochziehen und Vergessen. Dank des elf Quadratmeter großer Flügels hat das Segel ausreichend Auftrieb und fällt nicht so schnell zusammen, wie ein klassischer Spi. Das schont erheblich die Nerven auf einem kleinen geigenden Schiff. Nur mit dem Bergeschlauf stehe ich auf Kriegsfuß. Setzen und Einholen des Segels sind bei allen Bedingungen (inkl. plötzlicher Gewitterböen auf dem Atlantik) traumhaft einfach und schnell. Allerdings verhindert der Trichter, dass man den Segelsack als bequemes Kopfkissen in der Vorpiek nutzen kann und passt gerade eben durch das Vorluk.
Noch keine Erfahrung (tock, tock, tock) habe ich mit dem GaleSail von Proyacht. So gern ich darüber etwas schreiben möchte, mag ich mir die dazu erforderlichen Windbedingungen nicht wünschen: Darum herumkommen werde ich allerdings im laufe der nächsten Jahre kaum. Kommt das Segel zum Einsatz, weht es heftig! Das Groß ist dann – wenn überhaupt noch gesetzt – im dritten Reff. Das Gale-Sail wird um die aufgerollte Genua geschlagen und mit einem Reißverschluss gesichert. Dann heißt es: Dichtholen und aussitzen.
Trinkwasser
Die größte Gefahr sah ich lange auf Ozeanpassagen und in abgelegenen Revieren im Mangel an Trinkwasser. Ein Problem, bei dem mir Katadyn mit passenden Geräten ruhigen Schlaf verschafft. Der fest installierte PowerSurvivor 40E ist der einzige Katadyn Entsalzer, der im Notfall auch manuell betrieben werden kann, also selbst ohne Strom noch funktioniert. Zum ersten Mal kam er auf den Bahamas zum Einsatz. – Aus Versehen, ohne Not. Einfach, weil ich vergessen hatte, für 40 Cent pro Gallone in Nassau Wasser zu bunkern. Ein komisches Gefühl, wenn die Frischwasserpumpe 100km vom nächsten Wasserhahn plötzlich trocken läuft. Aber eine Strunde später rann bereits ein dünner Strahl Trinkwasser in einen Kanister. Den 150 Liter Wassertank mit dem kleinen Gerät zu füllen würde allerdings rund 30 Stunden dauern. Doch mehr als zehn Liter Frischwasser haben wir auch zweit nicht benötigt. Und die sind in zwei Stunden hergestellt. Nur das Mitnehmen ist etwas unpraktisch. Daher befindet sich noch ein etwas kleineres Modell Survivor 06 in der Tasche mit der Notfallausrüstung für die Rettungsinsel.
Seenot
Woran niemand denken mag, kostet in der Vorbereitung viel Zeit, Geld und Nerven: Notfallpläne. Dazu gehört natürlich vor allem das Überleben auf See zu sichern, wenn ich aus welchem Grund auch immer Paulinchen einmal aufgeben muss. Mit der Transocean-Rettungsinsel von Plastimo habe ich mich für einen alten Bekannten entschieden. Die Insel hatte sich beim segeln-Rettungsinseltest im Marine Ausbildungszentrum Neustadt deutlich durchgesetzt. Doch auch auf weniger kritische Fälle muss man vorbereitet sein: Die ausführliche Aufstellung von Strecktauen und Livelines, Rettungswesten, Signalraketen, usw. würde aber eine eigene Seite füllen…
Windsteuerung
Segeln ist die einzige Sportart, in der man auch schlafend voran kommt. Vor allem, wenn man Hilfsmittel hat, die für den richtigen Kurs sorgen. Die beau-fort Windsteuerung hat dabei nach dem Ausfall des elektronischen Pinnenpiloten in den Stockholmer-Schären sogar unter erschwerten Bedingungen beste Ergebnisse erzielt. In engen Schärenfahrwassern, in denen der Wind hinter jedem Stein aus einer anderen Richtung weht, ist zwar häufiges Korrigieren erforderlich, aber trotzdem ist Paulinchen immer sicher auf ihrer Route gewesen. Doch gemacht ist eine Windsteuerung ganz klar für lange Schläge auf See: Einmal eingestellt, bleibt der Kurs immer optimal zum Wind. Einziger Haken: Das Ganze arbeitet so gut, dass man leicht vergisst gehörig Ausschau zu halten.
Tauwerk
Etliche hundert Meter Reservetauwerk muss heute niemand mehr auf eine Fahrtenyacht mitnehmen, einen zweiten Satz Schoten allerdings schon. Denn für Langfahrt ausrüsten bedeutet sicher ausrüsten. Moderne Materialien sind bei sorgfältiger Auswahl und richtigem Einsatz hartnäckig gegen Verschleiß durch Schamfilen, Ausrecken und die UV-Strahlung in sonnigen Revieren. Beispielsweise die Liros Dyneema Fallen, die morsche Drahtvorläufe an Fallen überflüssig machen. Vor dem Start Richtung Atlantik ist daher das laufende Gut komplett getauscht worden.
Kommunikation
Der „Draht an Bord“ läuft natürlich nicht als endlose Kabelrolle ins Kielwasser, sondern führt unsichtbar durch die Luft. Die Wahl der passenden Ausrüstung dafür dauerte recht lange. Auf der einen Seite stand die einfache und gegen Störungen recht robuste Technik eines Satelliten-Telefons. Aber mein Herz schlug schon immer für eine weit komplexere, aber eben auch vielseitigere Kurzwellenfunkanlage. Meine Wahl fiel daher auch ein Kurzwellengerät, oder wie man in Cruiserkreisen (fälschlich) sagt, ein „SSB-Radio“. Bei der Auswahl der Anlage und auch beim Einbau stand mir „Iron Lady“ Skipper Michael Wnuk mit seinem Shop Lunatronic sehr hilfreich zur Seite. Über das Thema Kurzwelle an Bord kann man viel schreiben. Die Erfahrungen mit Pactor, E-Mail, und Sprechfunk fasse ich zur Zeit zusammen. Mehr gibt es demnächst auf einer extra „Funk“-Seite.
Dass dieser „Draht“ übrigens auch funktioniert, kann hier gerne getestet werden.
Heizung
Weite Strecken abseits der üblichen Yachtrouten: Immer wieder führt Paulinchens Route auch in kalte Regionen. Die Webasto Dieselheizung an Bord sollte dort Mut und Zuversicht aufrecht erhalten, denn nichts ist wichtiger als an kalten und verregneten Tagen einen warmen Platz unter Deck zu haben. Das hat sich unerwartet früh gezeigt. In Paulinchens erstem richtigen winter im Wasser fiel das Thermometer auf bis zu -14 Grad, Schnee und Eis lagen monatelang an Deck. Der kälteste und längste Winter seit dreißig Jahren erwischte und bereits im Hamburger Hafen. In dieser Zeit lag der Dieselverbrauch im Schnitt bei fünf Litern am Tag.
So ganz komplett ist ein Boot wohl nie. Diese Dinge sollen noch im Laufe der Zeit an Bord kommen:
Sicherheit
Ankern und Festmachen
Leben an Bord
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